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Ich bin in Jena, in der ehemaligen DDR aufgewachsen und eigentlich mein Leben lang dort gewesen, bis ich in die Schweiz kam. Nach der Schule habe ich eine Lehre als Verkäuferin angefangen. Mit 18 Jahren wurde ich noch während meiner Lehrzeit schwanger. Obwohl mein Vater sich einsetzte und meinen Sohn betreuen wollte, damit ich die Ausbildung hätte beenden können, brach ich diese ab. Später habe ich eine Ausbildung für Erwachsene zur Gaststättenfacharbeiterin absolviert.
Nach meinem Lehrabbruch habe ich in der Gaststätte meiner Eltern gearbeitet. Später habe ich auch bereits in Deutschland in der Reinigungsbranche und in verschiedenen anderen Berufen gearbeitet. 1983 wurde mein zweiter Sohn geboren. Drei Jahre später liess ich mich scheiden, heiratete später erneut, aber auch meine zweite Ehe wurde geschieden. Ich blieb immer berufstätig, arbeitete bei einer Imbissbude, habe Essen ausgefahren und hatte noch vor der Wende auch eine Weile selber eine Gaststätte. Ich war auch damals bereits in der Reinigungsbranche und als Haushalthilfe tätig.
Vor einigen Jahren erhielt mein jüngerer Sohn eine Stelle als Maler in der Schweiz. Dann hatte er hier einen Unfall und rief seinen grossen Bruder zur Unterstützung in die Schweiz. Dieser blieb in der Schweiz und erhielt auch eine Arbeitsstelle. Als sie von einer frei werdenden Schreinerstelle wussten, zog auch mein Partner zum Arbeiten in die Schweiz. Ich folgte meinen Söhnen und meinem Partner im Jahr 2007 und nahm schliesslich auch meine Eltern hierher, damit ich sie im Alltag unterstützen kann.
Heute lebe ich mit meinem Partner zusammen. Derzeit wohnt auch mein älterer Sohn wieder bei uns, bis er eine neue Wohnung gefunden hat. Meine Eltern wohnen im Nachbardorf und wir haben ebenfalls sehr engen Kontakt.
In Deutschland habe ich für ein Reinigungsinstitut Büros gereinigt und längere Zeit, neben meinen verschiedenen Arbeitsstellen, auch als Haushalthilfe und Putzfrau gearbeitet. Nach und nach hatte ich mehr Kundschaft und war dann eine Weile selbständig, hatte sogar zeitweise Angestellte. Es war aber sehr schwierig, bei den tiefen Preisen, die man in Deutschland für diese Dienstleistung erhält, am Schluss selber noch etwas zu verdienen. Das war für mich mit ein Grund, auch in die Schweiz zu kommen. In der Schweiz habe ich übers Internet nach Stellen gesucht. So bin ich fast zufällig auf fairness at work gestossen, habe mich beworben und konnte wenige Zeit später hier in meiner Region Aufträge übernehmen.
Ich arbeite neben meinen 20 Wochenstunden für fairness at work noch etwa 10 Stunden bei privaten Kunden. Mehr möchte ich im Moment nicht arbeiten in diesem anstrengenden Beruf. Ich verbringe auch viel Zeit bei meinen Eltern und helfe ihnen durch den Alltag. Sie sind beide über 70 Jahre alt. Es gefällt ihnen hier sehr gut und auch gesundheitlich geht es ihnen besser als ihn Deutschland. Nur jetzt, wo der Euro so tief gefallen ist, reicht ihre deutsche Rente hier viel zu wenig weit.
In meiner Freizeit backe ich gerne. Ich kann deutsche Spezialitäten backen, die es hier nicht gibt und manchmal denke ich darüber nach, mich damit selbständig zu machen. Ich weiss aber nicht genau, wie ich das bewerkstelligen könnte.
Ich würde zuallererst meinen Eltern etwas geben. Dann würde ich gerne auch Ferien machen, wieder einmal richtig verreisen, mich in einem Hotel bekochen und bedienen lassen. Das muss auch gar nicht weit weg sein, ich möchte einfach wieder einmal so richtig ausspannen. Von der Schweiz haben wir ja auch immer noch nicht viel gesehen.
Seit wir hier in der Schweiz leben, haben wir meistens Besuch aus Deutschland oder fahren selber nach Deutschland auf Besuch.
Mir macht die Arbeit Spass. Ich schätze es, dass man nicht stempeln muss, die Zeit frei einteilen und selbständig arbeiten kann.
Es gibt manchmal Kundenhaushalte, wo man nicht so gerne hingeht. Das sind für mich entweder Haushalte mit prekären hygienischen Verhältnissen oder Kunden, die niemals „Dankeschön“ sagen.
Sie schreiben mir E-Mails und schenken mir ab und zu was. Ich habe auch schon sehr sehr grosszügige Geschenke erhalten, zum Beispiel zu meinem 50. Geburtstag. Da wurde ich ganz wunderbar überrascht mit einer grossen Prämie.
Die Gesundheit für meine ganze Familie. Ich hoffe, dass meine Eltern lange gesund bleiben und nicht zum Pflegefall werden.
Ich träume von Ferien. Und ich hoffe, dass ich immer Geld in der Tasche habe und nie aufs Sozialamt muss.
