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Ich bin in Kinshasa, im Kongo aufgewachsen und habe dort die Primar- und Sekundarschule absolviert. Unsere Familie ist sehr gross, mein Vater hat mehrere Ehefrauen und ich habe viele Geschwister und Halbgeschwister. Meine Mutter hat elf Kinder, wir waren vier Mädchen und sieben Jungen.
Nach den Schulen habe ich an der Universität Kinshasa vier Jahre Wirtschaft studiert. Nach drei Jahren habe ich ein Graduiertendiplom erfolgreich abgeschlossen. Nach meinem vierten Universitätsjahr wurde ich während politischen Unruhen gezwungen, das Land zu verlassen. Im Jahr 2000 habe ich mit meiner Schwester zusammen den Kongo verlassen und bin mit Hilfe einer Frau aus Kongo Brazzaville in die Schweiz geflüchtet.
Noch während meinem Studium habe ich im Kongo verschiedene Arbeitsstellen gehabt. Ich war unter anderem Model und habe an Modeschauen für ein bekanntes afrikanisches Label an Modeschauen in Kinshasa und Brazzaville defiliert. Das hat mir grosse Freude gemacht. Längere Zeit hatte ich eine administrative Anstellung am Empfang einer grossen Firma in Kinshasa.
Nach meiner Flucht in die Schweiz durfte ich zunächst nicht arbeiten. Ich war zusammen mit meiner Schwester im Durchgangszentrum in Münchenbuchsee. Nach einigen Monaten haben wir zusammen eine Wohnung erhalten.
Ich habe Deutschkurse besucht und in einem Integrationsprogramm für Flüchtlinge konnte ich auch Informatikkurse besuchen. Ich war sehr gut und die Lehrpersonen hatten Freude an mir. Leider erhielt ich dann einen negativen Asylentscheid und durfte die Kurse nicht weiter besuchen. So blieben mir wenig berufliche Möglichkeiten hier in der Schweiz, und ich begann zunächst für einige Familien Kinder zu betreuen, später erhielt ich bei einer Berner Kirchgemeinde eine Arbeitsstelle in der Cafeteria und in der Reinigung. Die Kinderbetreuung hat mir grosse Freude gemacht. Ich liebe Kinder über alles und habe einen guten Draht zu ihnen. Gerne würde ich in einer Kinderkrippe oder in einem anderen Zusammenhang mit Kindern arbeiten.
Heute lebe ich alleine in Münchenbuchsee. Meine Schwester hat einen Schweizer geheiratet und wohnt unterdessen im Kanton Jura. Wir haben engen Kontakt und ich besuche sie sehr oft.
Meine Vorgesetzte bei der Kirchgemeinde hat mich auf die Firma fairness at work aufmerksam gemacht. So konnte ich vor fast vier Jahren bei fairness at work einsteigen und habe unterdessen ein grosses Pensum als Haushalthilfe.
Ich arbeite rund 25 Stunden pro Woche für fairness at work. Meine Arbeitsstelle bei der Kirchgemeinde habe ich vor kurzem aufgegeben, weil es immer schwieriger wurde, die beiden Stellen organisatorisch in Einklang zu bringen. Jetzt würde ich gerne noch einige Stunden zusätzlich für fairness at work übernehmen.
Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Freundinnen und Freunden. Ich reise viel und besuche meine Verwandten und Bekannten. Ich höre gerne Musik und lese viel. Ich lese Bücher auf Deutsch, damit ich meine Deutschkenntnisse verbessern kann. Auch habe ich in den letzten Jahren Englischkurse besucht. Im Moment treffe ich mich mindestens einmal in der Woche mit einem Freund, mit dem ich gemeinsam Englisch lerne. Ich möchte diese Sprache besser lernen. Wir bilden uns gegenseitig weiter, lesen englische Bücher, hören CDs und sprechen miteinander Englisch.
Das ist eine sehr schwierige Frage. Wahrscheinlich würde ich mit dem Geld versuchen, im Kongo etwas aufzubauen, zum Beispiel ein Restaurant oder einen Coiffeurladen. Aber das ist eher eine langfristige Zukunftsvision. Im Moment ist die Situation nicht so, dass ich zurückkehren könnte.
Ich reise in Europa und besuche Verwandte und Freunde. Ich habe Geschwister in Belgien und Frankreich. Sehr gerne würde ich meine Familie im Kongo wiedersehen. Eine Reise in mein Heimatland ist aber noch immer zu gefährlich für mich. Im Moment versuche ich abzuklären, ob ich wenigstens nach Kongo-Brazzaville reisen und dort meine Familie treffen könnte. Ich vermisse meine Eltern und meine Geschwister sehr und leide darunter, dass wir nur telefonisch Kontakt haben.
Es schmerzt mich, dass ich mit meinem Universitätsstudium und meinen Fähigkeiten hier beruflich so wenig anfangen kann. Aber ich akzeptiere meine Situation und bin froh, dass ich Arbeit habe. Ich mache alle Hausaufgaben und habe Freude, wenn ich merke, dass die Kundinnen und Kunden zufrieden sind und meine Arbeit schätzen.
Ich mache fast alle Hausarbeiten gerne, nur das Abstauben mag ich nicht so. Wenn ich Kunden habe, die viel reklamieren und meine Leistung nicht würdigen, macht mir das Mühe.
Ich erlebe sehr viel Dankbarkeit. Ich erhalte Briefe und Notizen, oft auch Geschenke. Die Kundinnen und Kunden bedanken sich oft bei mir und sagen mir, dass sie froh sind, auf mich und meine Unterstützung zählen zu können.
Es ist mir wichtig, dass ich arbeiten kann und nicht zu Hause bleiben muss. Die Freundschaft ist mir sehr wichtig. Es ist schön, wenn man freundliche Menschen kennenlernt. Der Austausch und die Freundschaft mit Menschen, das ist für mich auch eine Art Reichtum.
Im Moment ist das zwar nicht möglich, aber wenn sich die politische Situation in meiner Heimat verbessert, würde ich sehr gerne zurückkehren und ein Geschäft aufbauen. Zum Beispiel ein Restaurant, in dem die Menschen essen, trinken und einander begegnen können. Oder einen Coiffeurladen. Früher habe ich manchmal auch als Coiffeuse gearbeitet.

