Sie sind hier: Eingang
![]() |
|
Ich bin in Ekinözü, einer Gemeinde in der Nähe der Stadt Kahramanmaras im türkischen Kurdistan aufgewachsen. Meine Eltern waren Bauern. Ich habe fünf Brüder und vier Schwestern. Zwei meiner Brüder leben heute auch in der Schweiz, in Baden. Die restliche Familie lebt in Ekinözü. Ich selber habe fünf Jahre die Schule besucht. Das war damals so üblich, weil es im Dorf nur eine Grundschule gegeben hat. Mit 12 Jahren habe ich die Schule verlassen und blieb zu Hause bei meinen Eltern bis zu meiner Heirat.
Ich habe mit 19 Jahren geheiratet und wurde bald Mutter unserer ältesten Tochter Handan. Zwei Jahre später bekamen wir die zweite Tochter Döne. In dieser Zeit war es aufgrund der politischen Situation immer unsicherer in unserer Heimat. Wir mussten unser Land verlassen und flüchteten 1996 zunächst nach Deutschland, dann in die Schweiz. Unsere dritte Tochter Aise, sie ist heute 14 Jahre alt, wurde kurz nach unserer Ankunft in Deutschland geboren. In der Schweiz haben wir dann ein Asylgesuch gestellt und wurden vorläufig aufgenommen. Mehrere Jahre lang durften wir aber nicht arbeiten. Nur im Durchgangszentrum, wo wir untergebracht waren, durften wir in der Reinigung oder in der Küche etwas mithelfen. Später, als wir bereits in Utzenstorf wohnten, hatte ich eine Stelle in der Emmi Käsefabrik. Ich habe etwa ein Jahr in dieser Fabrik gearbeitet und war sehr zufrieden. Ich habe aufgehört in der Fabrik zu arbeiten, als unser jüngster Sohn Mustafa zur Welt kam. Er ist heute 9 Jahre alt.
Ich lebe mit meinem Mann und unseren vier Kindern in Utzenstorf.
Ich habe schon seit einigen Jahren bei einzelnen Familien als Haushalthilfe gearbeitet. Mit dem F-Ausweis für vorläufig aufgenommene Flüchtlinge ist es sehr schwierig, eine richtige Arbeitsstelle zu finden. 2009 habe ich dann eine Stelle bei der Firma fairness at work erhalten und kann seitdem an fast jedem Wochentag einen Haushalt reinigen.
Ich arbeite für fairness at work und noch für eine Familie, bei der ich direkt angestellt bin. Ich arbeite meist am Vormittag für die Kundschaft. Am Nachmittag bin ich mit den Kindern zu Hause, erledige unseren Haushalt, koche und mache die Wäsche. In meiner Freizeit stricke ich gerne oder besuche Freunde.
Ich würde mir eine Reise in die Türkei finanzieren, aber dafür brauche ich einen anderen Ausweis. Mit dem F-Ausweis dürfen wir nicht ins Ausland reisen. Wir haben unsere Familien in der Türkei seit unserer Flucht nie wieder gesehen, das ist sehr schwer für mich.
Wir haben eigentlich nie Ferien, das ist uns gar nicht möglich.
Unsere Tochter Handan hat letztes Jahr eine Reise in die Türkei gemacht, denn sie und auch Döne sind unterdessen hier eingebürgert worden. Die beiden haben den Schweizer Pass und können jetzt reisen. Handan ist in die Türkei gereist und hat unsere Verwandten besucht. Das war ein sehr spezieller Moment für uns alle.
Ich richte sehr gerne in einem Haushalt alles schön ein. Wenn ich das darf, stelle ich auch gerne die Möbel um und versuche alles optimal zu arrangieren.
Ich putze nicht so gerne Fenster.
Ich erhalte viele SMS oder Zettel, viele Kundinnen und Kunden danken mir für die Unterstützung.
Dass es der Familie gut geht, dass man zusammen reden und Probleme gemeinsam lösen kann.
Ich wünsche mir einen Reisepass. Ich vermisse meine Eltern so sehr und möchte wieder einmal in meine Heimat reisen oder auch Verwandte und Freunde in Deutschland und Frankreich besuchen. Das ist wirklich mein grösster Wunsch, meine Eltern wiederzusehen.

